grossmutter

December 15, 2016

 

grossmutter

drama für zwei personen

 

© johannes maximilian mueller

 

wien 2018

 

 

grossmutter, 99 jahre speisezimmertisch, couchtisch, schaukelstuhl, zigarillos, 

islay whiskey, 2 gläser,  grosses tonbandgerät, fernseher, altbau, hohe räume,

 karge möblierung

weitere requistiten : 1 kakteenfrucht, 1 messer ,  porzellanpuppe

 

lena

 

4o jahre, enkelin, couch, weisse tagesdecke, sieht mit kopfhörern fern,

wechselnde filmsequenzen zwischen joachim kulenkampff und jaques brel

 

publikum

 

im parkett 2. reihe ein freier leerstehender sessel ,

grossmutter sieht  auf diesem leerstehenden sessel

ihren verstorbenen mann : franz 

 

 

 

erste szene

 

 grossmutter:

 

was haben Sie gesagt ? entweder mein franz kommt noch

oder er ist schon da. bist du schon da franz ?

ich werde heuer 99, vollständig gesund bis auf die ohren, aber bitte mit 99.

was haben Sie gesagt ? wer viel hören musste wird langsam taub.

 

stellen sie sich vor, neulich habe ich geträumt

jörg haider sitzt auf einem korbsessel am wörtherseeufer

vor ihm in der wiese kniet die gesamte kärntner landesregierung und die gesamte  österreichische operettenregierung und der herr trump

und der herr jörg haider sagt zu ihnen:

„ ihr wisst, dass ich der grösste politiker bin der grösste spieler und verspieler

den dieses landes je gehabt hat und der ihr nie - nie sein werdet

ein meister der trumps der hitlers der orbans und wie sie alle heißen "

und alle  haben knieend geflüstert:

 „ wir wissen es oh herr „

 

und dann hat der herr haider bevor er von uns gefahren ist

noch etwas im traum zu mir gesagt aber ich habe ihn nicht verstehen können.

jetzt höre ich schon im traum schlecht. aber was wollen Sie. mit 99.

 

wann – sage ich immer zu meinem enkelchen –

schreibst du endlich ein stück über die opfer der dritten republik ( lachend )

die dritte republik die seh ich von der weiten

komm gib mir einen tschik was war denn mit der zweiten ?

 

( in das publikum zum leeren sessel ) :

franz – weisst du was es ist ? es ist die art ( immer leiser werdend )

es ist die art wie du –  halt mich – gesagt hast

 

wenn wir unseren kulenkampff nicht hätten samstag abend kulenkampff

unsere geliebten samstagabende der samstag ist der beste sage ich immer

kein vergleich mit der müdigkeit vom freitag und der unsicherheit vor dem montag

geschweige denn die verlegenheit vom sonntag der sonntagabend ist die hölle

der sonntagabend ist ein einziger irrtum

immer die angst vor der schule am montag weisst du noch franz ?

seit 99 jahren immer noch die angst vor der schule

es gibt einige wunderbare lehrer fragen sie mein enkelchen

aber das schulsystem ist immer noch das gleiche wie vor hundert jahren

ein riesiger irrtum eine lebenslängliche zumutung der  angst

eine lebenslängliche vorenthaltung der angstfreiheit

und das ist noch höflich gesprochen

 

weil mich mein enkelchen immer darum bittet

 zu den lehrern und zu den bürgermeistern

 die am land ohnehin meistens dasselbe sind-höflich zu sprechen ( lena laut lachend )

entweder wir nehmen den schulen die lehrer weg

oder wir nehmen den lehrern die schulen weg

ich habe es mir ausgerechnet 90 % aller lehrer wären dankbar

wenn wir ihnen die schulen wegnehmen würden

und da habe ich noch nicht von den schülern gesprochen !

 

am zweiten tag habe ich mein enkelchen aus der schule genommen

wissen sie nicht dass es eine schulpflicht gibt

hat mich der schuldirektor angeschrieen

der saubere herr schuldirektor der zugleich bürgermeister ist

und zugleich heimleiter des nö landesjugenderziehungsheimes

und zugleich ein pflegeheim für behinderte  betreibt

und zugleich öaab obmann ist

 

weil mein enkelchen mir noch in der früh verboten hat unhöflich zu sein

( lena vergnügt und sehr laut kreischend )

habe ich nur gesagt mein liiieeeber herr habe ich gesagt

es gibt keine schulpflicht nur eine unterrichtspflicht

verkaufen sie mich nicht für noch blöder als sie selber es sind

gehen sie mir aus dem weg hab ich gesagt

wir sind nach hause gegangen und haben die kulenkampffkassette eingelegt

lena ( noch immer mit kopfhörern,  laut lachend ) :

einer wird gewinnen die sendung mit den kamelen -kennen Sie ?

ein wärter kommt mit einem kamel auf die bühne in saarbrücken

und die kandidatin muss erraten ob das ein kamel ist oder ein dromedar

und während sie steht und nachdenkt

fragt der kulenkampff den wärter ob das kamel einen namen hat

und der wärter sagt : zita

da fragt der kulenkampff : wie die österreichische kaiserin ?

sagt der wärter : wie die österreichische kaiserin !

darauf sagt der kulenkampff: die hat sich aber verändert !

was wir gelacht haben der franz meine oma und ich

am nächsten tag haben alle österreichischen käseblätter geschrieben:

kulenkampffs verrat an österreich

 

grossmutter:

 

wenn wir unseren kulenkampff nicht hätten sage ich immer zu meinem enkelchen

unseren oskar werner unsere ingeborg bachmann nicht hätten

 

ich habe neulich geträumt die ingeborg bachmann und der oskar werner

fahren im „ ingeborg bachmann intercity zug „

von klagenfurt nach wien natürlich im speisewagen

und regen sich fürchterlich über die dortigen plastiktrinkbecher auf

und regen sich fürchterlich auf über den grölenden fernseher im speisewagen

musikantenstadl aus papua neuguinea vier stunden von klagenfurt nach wien

und nehmen ihre zigarillos aus der jacke

und verwenden die plastiktrinkbecher als aschenbecher

und nehmen einen doppelliter zweigelt aus dem wagram aus der reisetasche

und zwei schöne alte manufaktumgläser

und geben dem schaffner 100 euro für das rauchen

und lachen und reden und trinken den doppler - das habe ich neulich geträumt

 

lena ( laut lachend )

 

die haben sich sicher geliebt die beiden die ingeborg und der oskar

und frieda kahlo und rilke – alle geliebt – immer geliebt – immer alles !!!

 

grossmutter:

 

das ist ja völlig unmöglich in dem einen österreichischen programm

24 stunden musikantenstadl live aus papua neuguinea

im zweiten österreichischen fernsehprogramm weil wir haben ja zwei !

das training zum autorennen zum grossen preis in deutsch wagram

österreichisches samstag abend fernsehprogramm

gut dass wir unsere kulenkampffkassetten haben

alles völlig unmöglich

die musikanten ein musikantenstadl die nachrichten ein nachrichtenstadl

söhne und töchter von unterrichtsministerinnen und verkehrsministern als nachrichtensprecher das kabarett ein kabarettstadl

gescheiterte boxer mit kopf und beinverletzungen

als sogenannte österreichische kabarettisten

die sogenannten österreichischen kabarettisten

vom staat beauftragte staatskünstler spielen ein programm

mit dem titel – wir staatskünstler – spielen sich also selbst

und lassen dieses staatskünstlerprogramm

von ihren eigenen produktionsfirmen für millionen von euro produzieren

und vom staat und seinem fernsehen bezahlen

grenzenlos das ganze grenzenlos

die kultur ein kulturstadl die schulen ein bürgermeisterstadl

die politiker ein korruptionsstadl bei dem nicht mehr zu sehen ist

ob es noch eine stelle ohne korruption gibt das ist ja der ganze sinn davon

dass keine korruption von niemandem zu keiner zeit erkennbar ist

und wenn doch einmal dann kommt es zu einem lachenden untersuchungsausschuss und zu einer sammelklage auf zehn jahre und dann zur verjährung der staatsanwalt muss zwanzig klagen über zwanzig österreichische politiker zum oberstaatsanwalt schicken und der macht daraus eine sammelklage

die zehn jahre dauert und mit „ verfahrensfehlern „ 20 jahre dauert

es gibt keinen unterschied mehr in österreich zwischen korruption

und nicht korruption ich gratuliere

 

die patienten ein krankenhausstadl

in der psychiatrie auf der baumgartner höhe fährt der herr psychiater

mit seinem blauen porsche weil er noch immer den herrn haider verehrt

mit offenem dach und wehenden haaren mit seinem weissen doktorkittel

mit 90 stundenkilometer über die patientenwege und hupt noch dazu !

alles möglich in diesem land das seinen namen nicht verdient !

 

wie wir den lehrern die schulen wegnehmen

und wie uns die psychiatrie die psyche weggenommen hat

nehmen wir den ärzten die patienten weg das sagt auch unser pfleger mario die alten ein altenstadl ich sterbe sicher zu hause sage ich immer zu meinem enkelchen

 

lena:

du stirbst schön bei mir zu hause bei mir und bei deinem robert walser

und bei deinem rotwein vom wagram

 

grossmutter:

 

ich darf bei   d  i  r   sterben !!

neulich war der holländische pfarrer aus dem waldviertel bei mir

der gleiche pfarrer den dieser feine bayrische herr pabst

ich weiss schon lena – höflich sein – ( lena kreischt vor vergnügen )

aus holland über bayern in das waldviertel versetzt hat wohin sonst

die ganze welt spricht davon dass die waldviertler so stolz und stur sind

in wahrheit lassen sie sich alles gefallen

sogar dass ihre eigenen kinder reihenweise missbraucht werden

der gleiche pfarrer der sowohl buben als auch mädchen missbraucht

der gleiche heuchler ist bei meiner hintertür hereingekommen

zu mir und zu  meiner lungenentzündung und fragt mich ob ich die letzte ölung will

ich hab ihn rausgeschmissen und ihm gesagt : ich will  nichts fettes

 

grossmutter in den zuschauerraum flüsternd zu franz:

 

franz bist du noch da ? franz weißt du was es ist ? ( immer leiser werdend )

es ist die art wie du deine hand öffnest

und mich die eine walderdbeere in deiner hand riechen lässt

zwei kilo walderdbeeren 60 kilometer zu fuß aus dem föhrenwald

nur für mich ich liebe dich franz das weiß ja kein mensch

dass eine einzige walderdbeere eine zweiliterkanne zum riechen bringt

du hast immer eine walderdbeere in deine hand genommen und gesagt – komm riech –und dann habe ich mich zu deiner handfläche gebeugt

und die erdbeere mit meinen lippen aufgenommen

das ist es franz. das ist es - franz halt mich franz bitte franz

 

wenn ich meine katharina nicht hätte ( laut in das publikum )

wissen Sie ich lasse drachen steigen

neulich sitze ich in palawan mit meiner katharina am strand

sonntag nachmittag wann sonst

ich bin doch nicht verrückt und reise mit männern

dieses gejammere dieser alten männer womöglich schon über sechzig

dieses passt nicht und jenes passt nicht ich bin doch nicht verrückt !!

mit den männern zum heurigen auf den wagram oder nach arbesthal : ja

nach triest ins kaffeehaus aber auf die philippinen nur mit frauen sage ich

das werden Sie doch verstehen !! franz bist du noch da ?

 

lena zeigt lächelnd auf den leeren sessel: schau, grossmutter : f r a n z !!

 

grossmutter:

 

der grösste drachenwettbewerb der welt

und unser drachen ist am liegestuhl festgebunden

und ich sage zu meiner katharina es ist zu heiß die nachmittagshitze sage ich

unser hotel – nur ein kleines sonntagsnachmittagsschläfchen

ich sage was sonst an einem sonntagnachmittag als schlafen

und wir kommen am abend zum strand zurück

um unseren mekong whiskey zu trinken sonnenuntergang was sonst sonntag abend

unsere eltern haben nie gestritten ausser sonntag abend

und wir wollen unseren drachen vom himmel vom liegestuhl einholen

und plötzlich plötzlich stürmen tausende menschen auf uns zu

und der hoteldirektor küsst uns und der staatspräsident küsst uns

und alle küssen unseren drachen:

 

e r s t e r   p r e i s unser drachen war am längsten oben ; das ist es

der erste preis war übrigens ein jahresabo im palawanhotel vollpension

das ist es

es ist sonntag  und uns graut nicht mehr wir lesen unseren robert walser

unsere literarische weltunschuld

weil wir selbst mit unseren hundert jahren noch immer  kind sind

wie unser robert walser die immerwährende weltunschuld

und binden unseren drachen am liegestuhl fest

und trinken ein fläschen mekongwhiskey

und schlafen ein wenig in unseren sonntagnachmittag  hinein

hinein mit unserer lebensfrau und gewinnen ohne zutun den ersten preis – das ist es –

 

lena lachend: du bist doch so eine !

 

grossmutter:

 

tatsächlich musste ich so eine sein –  eine hexe sein unfreiwillig aber doch

 Sie verstehen – ich liege mit drei jahren im krankenhaus reichenberg

1917 im krankenhaus reichenberg

neun wochen  48 betten im krankensaal – nacht – draussen fallen die bomben

links von mir ein bett ein kind rechts von mir ein bett ein kind ich im bett in der mitte

jede nacht haben sie mich aufgeweckt die beiden kinder links und rechts

mit der zahnbürste in der hand dem zauberstab in der hand aufgeweckt:

„ wir verhexen dich wenn du uns deine puppe nicht  gibst

und du musst  sterben durch diesen zauberstab „

( steht langsam auf geht zur bühnenrampe sucht den sessel von franz )

franz bist du noch da ?? jede nacht schweiss und tränen

ich hatte soviel angst – schnürte mir die kehle zu – keine luft mehr –

da hab ich mir gedacht ich brauch ein loch im hals

dachte ich mit meinen drei jahren

durch den mund bekommen ich ja keine luft mehr – also dann durch den hals

und hab mir meinen hals mit meinen kleinen händen…

zu einem grossen loch gekratzt warm und rot

und wenn die krankenschwester bei ihrem kontrollgang das rote bett gesehen hat

dann hat sie ihren ätherfetzen genommen

und mir ihren ätherfetzen lang und fest auf meinen mund gedrückt

und die beiden kinder haben gelacht weisst du franz

dass ich heute noch den äthergeruch riechen kann ?!?

 

aber   e i n e s   nachts franz bin ich aus dem bett geklettert

ein kind links mit zahnbürstenverhexungsstab

und draussen fallen die bomben

ein kind rechts mit zahnbürstenverhexungsstab und die sagen noch zu mir

„ gib uns deine puppe oder stirb „

und bin aus meinem bett und bin zum sessel und den sessel an die wand

und hinauf auf den sessel und zum notlicht

( steht auf geht zu lena und steigt auf die couch )

und zur petroleumlampe und habe die petroleumlampe

unter mein nachthemd gesteckt

und habe zu leuchten begonnen auf diesem sessel in der nacht

„ das ist eure letzte nacht „ habe ich gesagt - und am nächsten morgen war ich allein

allein in meinem bett allein im mittelgang im saal

allein mit meiner puppe und mit meinem verglühtem bauch  ( lena lächelt )

 

die beiden töterkinder sind auf die infektionsabteilung verlegt worden

( lachend ) in das scharlachhaus

sie haben noch in der nacht scharlach bekommen

( steigt von der couch herunter setzt sich zu lena )

lena : das ist es – ist es das ? grossmutter : das ist es !!

alles fort alles böse fort alle verwünschungen fort alle flüche fort

das ist es  franz ?!? franz bist du noch da ? bleib bei mir franz ?

ich hab dich immer so gebraucht franz in all diesen petroleumnächten

mit der brennenden flamme unter meinem nachthemd franz

mit dem rücken zur wand ( lacht ) hab ich dich so gebraucht

dass du der krankenschwester das äthertuch aus der hand nimmst franz

franz ich liebe dich weisst du noch wie du in all den jahren

die bösen verzauberungen weggenommen hast ? die verwünschungen ?

all die flüche aller kindheitsnächte  von mir weggenommen hast franz

wie du mich – e n t f l u c h t – hast – franz !!

grossmutter:

 

es ist die art wie du lächelst franz vor dem einschlafen lächelst franz

mich sonntagabend anlächelst franz

 

(   lena hebt langsam ihre couchdecke hoch und zieht behutsam grosmutters porzellanpuppe hervor und an ihr gesicht )

 

 

lena: franz hat dich geliebt grossmutter

und ( laut lachend  ) er  hat dir viel geld erspart grossmutter

ich habe neulich im kurier gelesen dass in der heilerszene eine – entfluchung –

zwischen sechzigtausend und achtzigtausend euro kostet grossmutter

das alles ist franz einfach mit seinen handflächen gelungen grossmutter

nur   e i n e   erdbeere in der offenen handfläche grossmutter

und seine umarmungen an den sonntagabenden

 

grossmutter:

 

neulich sonntag abend

ich gehe meine abendrunde um den matzleinsdorferplatz

einen whiskey beim würstlstand was sonst sonntagabend

zu hause sterben die leut sagt der pfleger mario immer

geht’s raus – koit is net – sagt der pfleger mario immer

und ich gehe zum matzleinsdorferplatz und warte auf grün

und lehne meinen stock an die ampel und ich denke noch

ich spiele ein wenig mit den smogwölkchen

und mach mir daraus meine bällchen und jongliere mit den smogwölkchen

( lena zeigt es vor / fängt mit den unsichtbaren smogbällen

wie seifenblasen zum spielen an )

während ich auf grün warte und dann kommt grün

und ein autofahrer biegt ein und fährt mir über die zehen

und ich nehme den stock und klopfe auf sein autodach

und die polizei biegt ums eck und nimmt mich mit wachzimmer marokkanergasse

und fragt mich warum ich mit smogbällen spiele und auf ein autodoch klopfe

wachzimmer marokkanergasse ich sage ich will meine lena anrufen

sie stecken mir meinen gehstock zwischen die zähne

setzen mich auf einen sessel zur zentralheizung

hängen meine hände mit handschellen hinten an die zentralheizung

ich sage ich will meine lena anrufen 

lenasie stecken dir den neuen elektroschocker unter den rock

 

grossmutter: nach einer stunde kommt der polizeiarzt

zieht den elektroschocker heraus richtet mir meinen rock

und hinauf auf den steinhof sonntagabend

habe ich ihnen schon gesagt dass ich sonntagabende hasse wie die pest

( lena laut lachend ) aber der nächste sonntag

aber dieser nächste sonntagabend

hat alle sonntagabende meines lebens aufgewogen

wir sind acht patientinnen sonntag abend steinhof

keine ärzte zu sehen weit und breit was sonst gottseidank was sonst

nur unser geliebter pfleger mario schreibt die statistik

die er ein jahr verschlampt hat

geht’s spazieren  sagt der pfleger mario koit is net

und während der pfleger mario am klo sitzt mit seinem packerl lexotonil

und seinem ballentinesflachmann und sein tubos zigarrerl

und seinen lucky luke liest statt die statistik zu schreiben

haben wir frauen den schlüssel aus dem

stationsschwesternschreibtisch genommen

den schlüssel von der pathologie und sind hinunter in den keller

sonntagabend was sonst sonntagabend

wo die gehirne der kinder und die embrios liegen

aus den vierziger jahren noch immer nicht begraben

und haben die einmachgläser genommen

und sind aus dem pavillon und aus dem steinhof durch den ginster

mit all den toten kindern und den einmachgläsern in die steinhofgründe

hinunter in den dehnepark und in das rosental

und dann  nur noch 20 meter zum silbersee

und haben die einmachgläser geöffnet und die säure weggeschüttet

und unsere sechzehn frauenhände haben die kinder endlich begraben

und in einem glas war ein embrio und so kalt

und ich lege das embrio in meine hände

und bis zum morgendämmern wird das kind immer wärmer

und am morgen ist es warm gewesen in meiner hand - wie eine amsel –

und am vormittag hat uns der pfleger mario in die statistik eingetragen

als anwesend in die statistik eingetragen und ich habe einen ausgang beantragt

und ich bin mit dem 48er in die burggasse hinunter

in das musikgeschäft in der burggasse

und habe mir zum trost und zur belohnung mir selber ein revoxtonband geschenkt

da sie mir ja jeden euro weggenommen haben habe ich zum verkäufer gesagt

„ schicken sie die rechnung auf den pavillon 8 „

( lena wälzt sich lachend auf der couch )

es handelt sich um ein tonband für die musiktherapie am steinhof

habe ich zum verkäufer gesagt

lena:  und dann hast du auf einer einzigen bandspule

den casals und den gould

und die bachmann und den oskar werner aufgenommen

die es ja alle gar nicht gemeinsam gibt !

grossmutterich wollte immer schon gould und casals gemeinsam hören

immer sagen mein franz und mein enkelchen

die beiden haben nie miteinander musiziert

aber ich habe mir mein tonband auf dem pavillon schön ausgepackt

und auf dem plattenspieler von meinem pfleger mario

haben wir den glenn gould abgespielt und den pablo casals

und den oskar werner und die ingeborg bachmann

und auf meinem schönen tonband aufgenommen

auf spur eins den glenn gould auf der spur zwei den casals

auf der spur drei den oskar werner wiener lieder singend

und auf der spur vier die ingeborg bachmann – erklär mir liebe – lesend

und jetzt haben wir alle vier auf einem einzigen tonband

und das miteinander gleichzeitig das hat es noch nie und nirgendwo gegeben

das ist  m e i n e s - die erfüllung meine erfüllung

die unsagbare weltunschuld - die vollständige liebe

alle meine tränen auf einer einzigen tonbandspule

zum publikum : weil Sie liebe sagen:

es gibt einen mann in ihrem alter vielleicht am einsiedlerplatz in margareten

der nicht die suppe zum salz hat

hat vom aufgelassenen zirkus moskovitz aus pressburg

einen jungen braunbären freigekauft und über die grenze

und der bär schläft jetzt in der duschtasse und wer bescheid weiss

sieht den mann mit dem kleinen braunbären an der leine

in der nacht das essen holen gehen

bewegung für den bären und abfallobst vom meidlinger markt

ich sage zu meinem enkelchen es war immer zuviel und es war immer zu früh

und heute ist es weniger geworden und dafür danke ich

( beide lachend umarmend, schalten das tonband ein, tanzen zu gould,

calsals, werner und bachmann )

grossmutter:

franz ich will dass du den bahnhof brüssel nord erzählst

franz ich möchte vom bahnhof brüssel nord hören

franz, bist du ankommst, fange ich an : 1933 und ich war noch nicht mal 20

die lunge zerfetzt vom staub in der jutefabrik

die nacht warten auf den zug nach perpignan

unser zug zum widerstand franz in melk bist du zugestiegen franz

in linz haben wir von unseren büchern aufgesehen franz

ich von meinem robert walser du von deinem theodor kramer

in strassburg haben wir einander die hand gehalten

und im bahnhof brüssel nord hast du in mich geflüstert franz

unter der heilsarmeedecke

unter meinem juterock geflüstert franz dass du mich liebst

hast du mich getrunken franz die nacht lang

bis zu unserem zug zum widerstand nach perpignan

zu fuß über die pyrenäen der nacken verbrannt von der sonne

die luft verbrannt vom kanonenrauch

zu fuß über die pyrenäen gehen immer mein leben immer gehen gehen

geburtstag 30.april 1986

meine geliebten samstagnachmittage gehen gehen gehen  frühlingswarm gehen

unter den autobahnbrücken an den laxenburger pappeln

zu den fünf flüssen in die wöllersdorfer heide zu den nachtigallen

links die südautobahn rechts die burgenlandautobahn

und in der mitte die wöllersdorfer heide mit ihren nachtigallen

die haben die wöllersdorfer heide vergessen lena

zum zubetonieren vergessen zum zuscheissen vergessen lena

( lena lachend: oma –   b  i  t  t  e ) 

was für ein geburtstag sage ich

 und nehme mein minerva kofferradio aus dem rucksack

und setzte mich an den kanal bei den nachtigallen nieder

und ich höre die nachrichten und die sagen:

( schreit und weint ) : tschernobyl

seitdem gibt es keine politik mehr für mich

die politik  gibt es aber sie existiert nicht mehr für mich

die zehn gebote gibt es aber sie existieren nicht mehr

die kirche und die politik und die weltwirtschaft

sind dasselbe wie das erste gebot und das zehnte gebot

 

lena ( prustend, fast erstickend vor lautem gelächter): du sollst nicht fühlen

 

grossmutter: meine geliebte lena

das erste gebot der kindergärtnerinnen das erste gebot der lehrerinnen

der lehrherrn das erste gebot der österreichischen operettenpolitikkasperln

du sollst nicht fühlen der staat exisitert aber es gibt ihn schon lange nicht mehr

seit jahren verspielt vom  heutigen und zum morgigen tag

mein franz existiert mein pfleger mario die palawandrachen existieren

mein islay whiskey am sonntag abend existiert

mein rober walser  ist seit jahrzehnten tot aber er  existiert

deine freiheit franz deine freiheit lena meine freiheit

gibt es schon lange nicht mehr aber wir existieren mehr denn je

meine wut meine zärtlichkeit mit 99 jahren meine wut heute

unendlich schreiender als meine gestrige zärtlichkeit

meine wut heute unendlich leiser als meine zärtlichkeit morgen

 lena:  u n s    g  i  b  t     e  s

grossmutter: hast du gewusst lena dass ich neulich geträumt habe

die frau russwurm und die frau klum und die frau stöckl und die frau le pen

kommen an mein bett und schreien mich an:

sie sind durchgefallen frau grossmutter – nicht bestanden

es ist schluss mit dir – wir sind die neue macht – du  wixerin

das lena habe ich neulich an einem sonntag wann sonst geträumt

lena: aber du hast gleich nach mir gerufen

grossmutter: ja ich hab gleich nach dir gerufen

weisst du lena,  an den samstagabenden nach der jutefabrik

sind wir frauen noch bei der ziegelfabrik vorbei

rot holen für unsere wangen unser ziegelstaub für unsere wangen

und dann in die haslau an den mitterhaufen zum steckerlfisch

stell dir vor franz am tag nach tschernobyl habe ich begonnen

meine haare orange zu färben

ich bin müde lena zeig mir die rückseite des mondes lena

mein kleiner rucksack franz - nur eine zahnbürste und zwei unterhosen

und die in hora mortis gedichte : f r a n z !!

bist du 20  jahre tot oder 30 ??

es gibt dich nicht mehr aber du existierst noch immer

wir haben fast aufgehört aber wir sind noch nicht am ende

nicht alles was aufgehört hat ist am ende lena

nicht alles was am ende ist hat aufgehört

noch heute stehe ich an den gleisen

von den südbahnhöfen die es nicht mehr gibt

und von den westbahnhöfen die es nicht mehr gibt und warte auf dich franz

hast du verspätung franz ich habe szegedyner gulasch vorbereitet franz

und topfenpalatschinken  und wein vom wagram

franz es ist folgendes - der mann jetzt er hält mich nicht beim einschlafen

er flüstert nicht in der nacht franz er  lächelt kaum

ich denke ich werde ihn quittieren, was sagst du lena ? ( lena lacht )

 

                               vorhang erste szene

 

2. szene :

 

grossmutter und lena am essenstisch, vor ihnen zwei teller dampfender spagetti, beide genussvoll schlürfend, schmatzend: lena:

 

das weißt du doch grossmutter, mein grösster essenswunsch als kind waren deine spagetti, ein leben lang, mein leben lang bis heute, als du fort warst, gab es im heim  jahrelang keine spagetti,  das grosse spagettiaus, es gab im heim entweder gebackenen karfiol oder kohl mit augsburgern, die augsburger haben sich die grösseren und stärkeren mädchen aber aus dem kohl herausgefischt  und uns blieb der kohl, bis heute habe ich den kohlgeruch in der nase, der gebackene karfiol war so alt, dass noch die würmer darin gelegen sind, frisch mitgebacken. am sonntag gab es  rindfleisch mit kohl, das rindfleisch war so flachsig, dass es beim kauen im mund immer grösser geworden ist, solange bis das aufsteherlaubnis  gekommen ist, und ich endlich das rindfleisch auf dem klo erbrechen konnte, einmal grossmutter, habe ich auf dem tisch erbrochen, ich habe es nicht mehr zurückhalten können, da ist die schwester oberin gekommen, und ich musste mit ihr zu meinem spind gehen, und in meine taschengeldkassa, die ich mir in drei jahren angelegt habe, und musste alle schillingstücke rausnehmen, und dann sind wir in den speisesaal zum erbrochenen, und ich musste den fleck am tischtuch mit den schillingstücken abdecken bis von dem fleck nichts mehr zu sehen war. dann holte die schwester oberin ihr „ tischbeserl „  und kehrte die schillingstücke in ihre schürze „ damit du es dir merkst „ sagte sie.

neulich habe ich die schwester oberin auf dem naschmarkt beim einkaufen getroffen, zuerst wollte ich sie in einen hauseingang  an der wienzeile hineinziehen - aber dann habe ich sie nur gefragt ob sie sich noch an mich erinnern kann und dass mein lieblingsessen immer spagetti waren – und darauf sagt die schwester oberin : „ aber mein kind, warum hast du denn damals nichts gesagt ?? „

das nie mehr schweigen war mir eine lehre für mein leben…

grossmutter ( spagetti verschlingend ) :

eine lehre für dein leben, so wie dein drei euro fünfzig honorar und dass du heute bei mir bist, wie viele euro waren es am anfang hast du gesagt ?

lena: ( den mund voll mit spagetti  ) :

am anfang vor acht jahren, grossmutter, waren es 39 euro die stunde,

39 euro für die  arbeit mit langzeitarbeitslosen, dann hat der trainingsinstitutsbesitzer 64 millionen euro in die tasche gesteckt und dann war das eine institut weg und das nächste zahlte  vor vier jahren statt 39 euro nur mehr 21 euro die stunde bis das arbeitsmarktservice ein neues institut gefunden hat, und hat ein institut in ternitz gefunden und mich als trainerin dorthin geschickt, und das sogenannte erwachsenenbildungsinstitut in ternitz  zahlte mir vor einem jahr:

( schreiend, lachend , schreiend ) : 3 euro 50 für die trainingsstunde.

( wechselnd zu beinahe weinen ):

am trainerklo in ternitz habe ich  am ersten arbeitstag in den spiegel geschaut

und ich habe zu meinem gesicht gesagt: „ du bist nur mehr drei euro fünfzig wert „

da habe ich mit meiner kleinen faust in den grossen spiegel geschlagen und mit dem blut dem ternitzer institut meine meinung in den spiegel geschrieben und habe den arbeitslosen in ternitz alles gute gewunschen und bin zum bahnhof gegangen und in den nächsten zug nach wien eingestiegen

grossmutter:

das ist ja gott sei dank alles vorbei, jetzt bist du ja nur mehr bei mir

lena: alles vorbei, gott sei dank, nur mehr bei dir und bei deinen spaghettis.

 

vorhang 2. szene

 

3. szene

 

der esstisch ist abgeräumt, der fernseher eingeschalten, es läuft ein polittalk mit fpö

 

grossmutter: (  wirft einen aschenbecher auf den fernseher ) :

 

weisst du lena ich werde  diese politiker auslöschen

den fernseher auslöschen lena den kniefall orf auslöschen lena

den autoverkehr auslöschen lena

unsere kinder ersticken seit jahrzehnten auf der strasse

 

lena:

 

wenn sie nicht vorher schon am zebrastreifen bei grün überfahren wurden

oder nach der zeugnisverteilung selbstmord begangen haben

oder nach fukushima an gebrochenen herzen

und an leukämie zugrunde gegangen sind

und wenn es dann soweit ist wie es ja seit jahrzehnten ohnehin bereits soweit ist

werden alle wieder sagen :

( schreiend / weinend ) „ wie haben es ja beim besten willen nicht wissen können „

hast du gewusst grossmutter dass ich heute geträumt habe

es würde schneien einen meter

ich habe geträumt es würde vom winteranfang bis zum 21. märz schneien

der schnee will liegen bleiben die schneeräumung räumt ihn weg

es schneit wieder auf den verbliebenen rest bis auf einen meter höhe

und die autofahrer können nicht mehr fahren und nicht mehr aussteigen

weil dieser meter das aussteigen verunmöglicht

und das benzin geht aus  die autofahrer werden von hubschraubern

aus den autofenstern geborgen – es schneit weiter –

es fahren immer weniger autos

und da auch keine autofahrer mehr einsteigen können

fahren stunde für stunde weniger autos – bis zum nullpunkt –

es schneit immer weiter immer für diesen meter

und es bleibt nur mehr eine spur frei für die einsatzfahrzeuge und:

f ü r   d i e   k i n d e r – das habe ich geträumt – grossmutter

neulich war es fast schon soweit grossmutter – wie wir beide mit den langlaufschiern zum hofer einkaufen gefahren sind…   

                             lena: weisst du noch grossmutter ?

wie wir beide mit den langlaufschiern zum hofer einkaufen gefahren sind ?

zum hofer in der lainzerstrasse !

grossmutter : mit den langlaufschi zum hofer

( beginnt wieder mit ihrem franz zu sprechen ):

franz beim hofer in der lainzerstrasse

da gibt es die kassiererin mary aus sri lanka – die mary

die mutter der mary ist aus zwettl

„ meine mutter „ – hat mir die mary erzählt – „ war mit mir schwanger

unehelich schwanger von einem krankenpfleger aus sri lanka

der sich aber in zwettl erschossen hat

wie sich fast alle in zwettl und umgebung erschossen haben oder erhängt haben

oder mit 160 in die schönen waldviertler tannenbäume gefahren sind

dadurch sind ja siebenunddreissig psychosoziale zentren

in zwettl gegründet worden mehr psychosoziale zentren als überlebende einwohner

in zwettl hat es jahrhunderte lang zwei wirtshäuser gegeben

das eine hieß TODT und das andere TEUFL

grossmutter „ –  sagt meine mary – „ lachen sie nicht wenn sie glauben ich scherze

ich lache über meine ängste aber ich scherze nicht

in zwettl sagt man noch heute tod und teufl und die psychiater regieren zwettl

und um der schande der unehelichen geburt                                    

noch dazu mit einem kind von einem tamilen

noch dazu in zwettl  zu entgehen

flüchtete meine mit mir hochschwangere mutter

von zwettl zu den fastschwiegereltern nach sri lanka

bekam hochschwanger noch immer eine anstellung

bei den fastschwiegereltern reiche kaufleute in colombo

unbezahlt bekommst du bei den reichen immer anstellungen

ob in colombo oder in zwettl

( lena feixt und lacht und kreischt )

und eine woche später bin ich auf die welt gekommen „

sagt die mary vom hofer aus der lainzerstrasse

„ und meine mutter sagt nach der entbindung in der dienstbotenkammer

zu ihren fastschwiegereltern: 

 " darf ich mit mary  bei euch bleiben " ?

in sri lanka bedeutet mit dem kopf nicken – nein –

und den kopf schütteln bedeutet in sri lanka – ja –

und meine mutter hat nach fünf tagen

die gewohnheiten in sri lanka nicht wissen können

darf ich mit mary bei euch bleiben ?

sagt meine mutter zu ihren fastschwiegereltern in colombo

und die schwiegereltern : schüttelten den kopf …

wissen sie – liebe grossmutter „ –  sagt meine mary vom hofer

„ die kindheit ist ein einziger irrtum

jede kindheit ist ein einziges mißverständnis

„ natürlich – liebe grossmutter

 ist meine zwettler mutter „

„ sofort und mitten in der nacht in colombo umgedreht

und aus der dienstbotenkammer

und auf das nächste schiff nach zwettl über antwerpen

und ich bin dann zum erstmöglichen zeitpunkt nach der pflichtschule

von zwettl nach wien zum lidl und dann zum schlecker und dann zum hofer

gegen zwettl war sogar der hofer eine verbesserung „  hat mir die mary erzählt –

mary ist übrigens die einzige hoferkassiererin

 in österreich ja sogar  in europa die mir beim kassieren zeit lässt

sie lässt mich in ruhe mein geld in meiner gelbörse zu suchen

sogar beim einpacken gibt mir meine mary beim hofer zeit

„ für sie liebe grossmutter pfeiff ich auf den hofer

ich pfeiff auf den hofer  und seine kontrollen auf die hoferstoppuhrkontrollen „

  das  sagt meine mary immer zu mir 

wenn ich beim hofer in der lainzerstrasse einkaufen gehe –

grossmutter :  

ich habe etwas für dich franz wo du doch heute bei mir bist franz

wo ich dich doch brauche franz ich habe etwas für dich franz

alles was wir brauchen ist ein kleines messerchen

( lena zieht kichernd unter ihrer decke ein messerchen und

eine rote kakteenfrucht hervor und reicht sie der grossmutter )

schau franz ein kleines messerchen und eine kleine wilde kakteenfrucht

sagen wir von der mary vom hofer in der lainzerstrasse

und wir richten das kleine messerchen nicht etwa gegen uns selbst

wie wir es vielleicht früher gegen uns getan haben

wie es vielleicht andere gegen uns getan haben

mit ihren kleinen unsichtbaren messerchen

aber nein – wir nehmen die kleine rote kakteenfrucht

und wir schneiden mit dem scharfen messerchen

die kakteenfrucht in zwei hälften franz

( lena steht von ihrer couch auf geht zur grossmutter und

nimmt dieser behutsam fast zärtlich das messer

und die kakkteenfrucht aus den händen )

und wir nehmen die kakteenfrucht und färben unser gesicht ein wenig

( lena beginnt in grosser langsamkeit sorgfalt und zärtlichkeit mit der kakteenfrucht

grossmutters gesicht und ihr eigenes zu färben / einzufärben )

nicht nur unser gesicht franz – auch die arme und die beine

( lena fährt fort zu färben ) und auch deinen schoß franz

und meinen schoß und lenas schoß wir färben uns außen und lieben uns innen franz

lena : eine richtige färberei grossmutter

eine richtige seelenfärberei grossmutter eine richtige lebensfärberei grossmutter

 

grossmutter: immer gefärbt immer geliebt franz

 

( grossmutter klettert mühsam über die bühnenrampe richtung publikum zum leeren sessel ihres franz / hakt sich imaginär im arm ihres franz ein und geht langsam dem ausgang entgegen )

 

„ i m m e r   g e l i e b t „

 

lena erhebt sich von der couch drückt die play taste  des tonbandes

immer lauter sind pablo casals und glenn gould

oskar werner und ingeborg bachmann in abwechselnder lautstärke

gemeinsam und auch als einzelpersonen zu hören

bach ist zu hören casals brummend gould singend

oskar werner singt ein wienerlied ingeborg bachmann rezitiert – erklär mir liebe

lena zieht sich mit dem messer und der kakteenfrucht

wieder unter ihre weisse tagesecke zurückscheinwerferlicht  fällt auf die tagesdecke

die sich langsam rot färbt .

 

 

  • ende 

 

„ g r o s s m u t t e r “ 100 jahre liebe und hass und zärlichkeit

mit ingeborg bachmann und oskar wernermit glenn gould und ingeborg bachmann

mit hans joachim kulenkampff und  pablo casals

 

j o h a n n e s   m a x i m i l i a n   m u e l l e r

 

vertonungen :  theodor kramer – leonard cohen – jaques brel

 

theater

 

 „ KUNST mich nicht sponsern „ u.a. theater im konzerthaus

 „ helderlein ( lyrik schtirbt „ u.a. theater brett wien

 „ herzfestigersaga „ u.a. theater des augenblickes

„ grossmutter „ u.a. literaturhaus wien

 

die bühnen: ( kurzauszug )

 

theater: theater  im konzerthaus / theater akzent / theater des augenblickes

theater am alsergrund / theater im celeste / theater am spittelberg

theater brett / theater  johanneshof baden / theater klosterneuburg

 

ausland: friesenkeller hamburg

 

open air: haus döbling / int. folkfest waidhofen / int. folkfest michelstetten

wien fluss festival / feenzelt prater

 

wien: ( kurzauszug )

 

roter engel / tunnel  / kulisse / amerlinghaus / casino baumgarten

städt. büchereien wien / buchhandlung jörgerstrasse / literatursalon scharinger / literaturhaus / studio akzent / theater akzent / kulturzentrum somogyhof / palmenhaus / kleine galerie / mephisto / sozak ottakring / club international / hotel hillinger / ökoinstitut

 

bundesländer: ( kurzauszug )

 

haus der jugend graz / aubühne wels / vhs wr neustadt / uni alpe adria

pinguin wr neustadt / folkclub waidhofe / hamerlingsaal zwettl / stadthalle mistelbach / abz velm / pöllinger speicher / kulturheuriger stammersdorf

kino gresten / hypolithaus st. pölten / waldviertler galerie u.v.m.

 

contact johannesmueller1@gmx.at 0699 12 20 29 43

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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